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Der Einzelhandel kehrt in die Innenstädte zurück
Ein vielfältiger und zeitgemäßer Einzelhandel ist ein wesentlicher Faktor in der Stadtentwicklung, denn er trägt nicht nur zum Wachstum der Städte und Gemeinden bei, sondern ist auch entscheidend für die Lebensqualität der Wohnbevölkerung. Im Laufe der Zeit hat sich eine Rückbesinnung von der Suburbanisierung hin zur Reurbanisierung entwickelt. Die Folge daraus ist ein wachsender Leerstand in vielen Nebenlagen und Stadtteilzentren. Diese Entwicklung stellt die deutschen Städte und den damit zusammenhängenden Einzelhandel vor neue Herausforderungen. Die steigende Nachfrage von Einzelhandelsinvestoren und der damit zusammenhängende Wettbewerb der Standorte, die Stärkung der Innenstädte und die Vielfalt im Einzelhandel sind zentrale Punkte der Städtebaupolitik. Daneben ist auch die gemeinsame Verantwortung von Wirtschaft und Eigentümern für die Innenstädte und Stadtteilzentren notwendig.
Entwicklungen im Einzelhandel
Der Einzelhandel ist ein Segment, das sich permanent dem gesellschaftlichen Wandel und den sich damit verändernden Konsumgewohnheiten anpassen muss. Obwohl der Einzelhandel seit Beginn der 90er mit stagnierenden bzw. teilweise auch heute noch sinkenden Umsätzen zu kämpfen hat, ist ein starker Flächenzuwachs im Einzelhandel zu verzeichnen. Dies führt zu einer sinkenden Flächenproduktivität. Viele Newcomer, neue Verkaufskonzepte und klassische Filialisten drängen in den Markt und suchen nach geeigneten Standorten. Der Einzelhandel ist ein hart umkämpfter Markt, in dem eine eindeutige Positionierung, ein klares Konzept und der richtige Standort wesentliche Erfolgsfaktoren darstellen. Bei der Bewertung der Standortentscheidung sind unter anderem die Kennziffern Kaufkraft und Zentralität entscheidende Kriterien. Es besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen sog. Citydichte (Verkaufsflächenausstattung der Innenstadt je Einwohner) und Zentralität. Ebenfalls besteht eine Korrelation zwischen der Entwicklung zusätzlicher Verkaufsflächen und der Einzelhandelszentralität. Der Markt zeichnet sich durch eine starke Polarisierung hinsichtlich Flächennachfrage und Standorten aus. Die Dynamik der Expansion vieler national und international erfolgreicher Einzelhandelsketten ist nach wie vor ungebrochen. Trotz Flächenüberhang - durch eine sich permanent ändernde Beurteilung der Lagequalität neuer Standorte - besteht die höchste Nachfrage nach Einzelhandelsimmobilien in 1A-Lagen seit der Wiedervereinigung. Hingegen geht die Nachfrage insbesondere in Randlagen und in kleineren Standorten dramatisch zurück. Der Wettbewerb um erstklassige Flächen in 1A-Lagen ist intensiv, und die Mietpreise in den 1A-Lagen sind bundesweit fast flächendeckend in den Groß- und Mittelstädten gestiegen. Verstärkt wird dieser Wettbewerb durch den ungebrochenen Trend der Shopping Center-Entwicklungen in den Innenstädten. Diese Entwicklungen haben - ähnlich wie Fachmärkte auf der sogenannten „Grünen Wiese” - den Vorteil einer hohen Agglomerationsdichte an Einzelhändlern und der Verfügbarkeit von geeigneten Flächengrößen und Zuschnitten. Die Händler erkennen die zunehmende Bedeutung der Immobilienwirtschaft für das Geschäft und die Expansion. Trotz Verkaufsflächenüberangebot, meist in den Randlagen, fehlen insbesondere wettbewerbsfähige Flächen im gewachsenen Bestand und in Stadtteil-/Quartierslagen deutscher Städte, die dem zeitgemäßen Flächenbedarf im Einzelhandel gerecht werden. Die Bereitstellung von geeigneten wettbewerbsfähigen Flächen für den Einzelhandel stellt die Immobilienwirtschaft wie auch die Städtebaupolitik vor neue Aufgaben. Ein permanenter Wechsel an Trends, Mietern und Konzepten im Einzelhandel hat zur Folge, dass die Zyklen für eine Modernisierung immer kürzer werden. Deshalb ist die flexible Gestaltung von Immobilien, um sich mit geringem Aufwand an die Anforderungen eines neuen Mieters oder Konzeptes anzupassen, eine Zukunftsaufgabe für die Stärkung der Innenstädte und Stadtteillagen. Auch die vielerorts fehlende moderne Architektur, die das Einkaufen zum Shopping-Erlebnis macht, stellt eine große Herausforderung dar.
Herausforderung annehmen
Die steigende Komplexität und der permanente Wertewandel stellen die Akteure von Einzelhandels- und gemischt genutzten Immobilien vor neue, kreative und nachhaltige Aufgaben. Dabei sollten unter anderem folgende Fragen berücksichtigt werden:
- Welche Anforderungen stellen Einzelhändler an die Immobilie?
- Welche technischen Lösungen sind für die Einzelhandelsimmobilie notwendig?
- Welche rechtlichen Rahmenbedingungen sind einzuhalten?
- Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?
Perspektiven
Die Dynamik im Einzelhandelsimmobilien-Investmentmarkt wird auch in den nächsten Jahren erhalten bleiben. Vor allem die Nachfrage ausländischer Investoren nach geeigneten Anlageobjekten wird dafür sorgen, dass die Nachfrage in absehbarer Zeit nicht sinken wird. Herausforderung ist auch die mittlerweile steigende Nachfrage nach auslaufenden Flächen der 1A-Lagen, welche sich durchaus durch die Ansiedlung entsprechender Mieter zu echten 1A-Lagen entwickeln können. Die Weiterentwicklung und Stärkung der Innenstädte sowie Stadtteil- und Quartierslagen sind wichtige Zielsetzungen für Immobilieneigentümer und Politik. Der gesellschaftliche Wandel und der Wettbewerb im Einzelhandel fordern geänderte Formate mit Bedarf nach größeren zusammenhängenden Flächen. Dabei geht es nicht nur um Neubauprojekte, sondern vor allem auch um die Anpassung von Bestandsimmobilien. Qualität, Lage und Struktur einer Einzelhandelsimmobilie werden zunehmend wichtiger.
Erfahrungen austauschen, Ziele definieren, Erfolge generieren
Der Arbeitskreis dient als konstruktive Plattform für alle beteiligten Gruppen aus dem Einzelhandel. Es werden aktuelle Entwicklungen, Perspektiven und Herausforderungen auf dem Einzelhandelsimmobilienmarkt beleuchtet, Handlungsempfehlungen dargestellt und politische Anforderungen definiert. Durch Informations- und Erfahrungsaustausch sollen Kompetenznetzwerke gebildet werden, von denen alle Beteiligten profitieren können. Die bundesweiten Sitzungen finden mindestens dreimal im Jahr statt. Zu den Sitzungen werden fachkundige Interessierte eingeladen, die ihr Wissen und ihre Fähigkeiten einbringen und Handlungsvorschläge unterbreiten. Ziel dieses Arbeitskreises ist es, durch gemeinsames Expertenwissen die Fähigkeiten der Unternehmen auf dem Gebiet der Einzelhandelsimmobilien zu verbessern und strategische Konzepte zu entwickeln, die den gewachsenen Anforderungen an die Einzelhandelsimmobilie gerecht werden.
Quelle: http://www.bfw-bund.de
Tags:Einzelhandel, Handel, Immobilien, Stadtplanung